Zufluchtsplätze im Gesamtkonzept Kinderdorf Duisburg e. V.




Das Angebot des Kinderdorfes, Mädchen mit Gewalt und Mißbrauchserfahrungen eine Aufnahme
in einer koedukativen Wohngruppe anzubieten ist die Möglichkeit, einen neuen
zukunftsorientierten Ansatz zu arbeiten.

Frau Kunert-Zier, Erziehungswissenschaftlerin, Frankfurt, schreibt in Ihrem Artikel:

"Mädchen- und Jungenarbeit haben die Pädagogik in den letzten Jahrzehnten des ausgehenden Jahrhunderts bereichert.
Sie sind die pädagogische Antwort auf den Wandel der Geschlechterverhältnisse. Dennoch mangelt es an öffentlicher Würdigung und Anerkennung.
Der Weg der Kooperation beider Ansätze könnte ein Gewinn für die Pädagogik insgesamt sein.
Die Versuche zeigen, dass geschlechtsbezogene Mädchen- und Jungenarbeit unter einer gemeinsamen Konzeption funktionieren kann.
Wenn Pädagogen und Pädagoginnen bereit sind, ihr Verhalten, ihre Inhalte und Methoden dahingehend zu überprüfen, ob sie
das gleichberechtigte, gleichrangige, gleichwertige Miteinander der Geschlechter stützen, kann eine egalitäre Qualität im Miteinander der Geschlechter entstehen.
Gerade die aus der Perspektive von Mädchen entstandenen Projekte zeigen, dass sich die Horizonte für beide Geschlechter geweitet haben.
Das innovative Potential dieser Projekte verweist auf neue Möglichkeiten einer Geschlechtererziehung und gibt für die Zukunft interessante Impulse.
Der geschlechtsbewusste Blick auf beide Geschlechter als Standard, als Grundqualifikation einer zeitgemäßen Pädagogik ist nicht nur eine Vision,
sondern auch ein echter Beitrag der Erziehung zur Verwirklichung von Geschlechterdemokratie."


Alle Erzieher/innen des Kinderdorfes haben im Jahr 2003 eine Fortbildung in Gender-Mainstream abgeschlossen. So ist die Arbeit unter dem
sensibilisierten Blick auf die Geschlechterrolle in den Häusern möglich.

Mit dem zusätzlichen Einsatz einer begleitenden weiblichen Fachkraft berücksichtigen wir die Besonderheit der krisenhaften Situation,
die ein zusätzliches Maß an Begleitung und Beratung erfordert.

Zufluchtarbeit mit Mädchen im Setting einer koedukativen Wohngruppe

Rahmenbedingungen:

Das Kinderdorf bietet in Duisburg - Großenbaum und in Marxloh eine direkte Anlaufstelle für Mädchen mit Gewalt- und Mißbrauchserfahrungen an. In der Stadtteilgruppe Marxloh im Norden und dem Jugendhaus an der Rotdornstraße im Duisburger Süden wird jeweils ein Platz durchgängig zur Direktaufnahme freigehalten.
Die Wohngemeinschaften sind rund um die Uhr mit einer pädagogischen Fachkraft besetzt, die den Mädchen als erste Ansprechpartnerin zur Verfügung steht.
Für die danach einsetzende Familienarbeit und Klärungsarbeit mit dem Mädchen werden zusätzliche Fachleistungsstunden berechnet.
Es steht für diese Arbeit eine zusätzliche weibliche Fachkraft zur Verfügung.


Konzeption:

Die Wohngemeinschaften bieten Zuflucht, um die Mädchen vor weiteren Übergriffen zu schützen.
In Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sozialarbeiter/der zuständigen Sozialarbeiterin wird die weitere Lebenssituation geklärt.
Das Kinderdorf bietet ein Netzwerk an unterschiedlichen Betreuungsmöglichkeiten, so dass eine längerfristige Perspektive für die Kinder und Jugendlichen mit ihnen gemeinsam entwickelt werden kann und auch die Anonymität bei der späteren Aufnahme in einem anderen Haus gewährleistet ist. Die Mitarbeiter/innen des Kinderdorfes sind für die Arbeit mit belasteten Kindern und Jugendlichen qualifiziert und verfügen über einen breiten Erfahrungshintergrund. Zusatzausbildung in systemischer Sozialarbeit und Fortbildung zur Anamnese und Symptombildung bei sexuellem Mißbrauch bilden eine weitere Grundlage für eine angemessene tägliche Begleitung der Mädchen.


Arbeitsmethoden:

- Gruppe als Schutzraum
- Gruppe als soziales Übungsfeld
- Einzelgespräche
- Biographiearbeit
- Genogrammarbeit
- Kollegiale Beratung der Mitarbeiter zur Ressourcenerweiterung
- Einbeziehung fachkompetenter Therapeuten
- Eigenes Zimmer als Rückzugmöglichkeit

© by Kinderdorf-Duisburg eV. 05/2012